interview mit dem Buchautor
jürgen tarrach

 

Herr Tarrach, Sie haben ein Buch geschrieben?
Tarrach:
Ein Kochbuch ja, das ist ein Unterschied. Denn wenn man hört, jemand hat ein Buch geschrieben, denkt man immer nur an lesen, also etwas völlig Geistiges. Ein Kochbuch aber ist etwas Praktisches. Ein Rezept, eine Anleitung, ein Plan.

Aber, sorry Kochbücher gibt’s doch schon bis zum Abwinken – das ist doch langweilig?
Tarrach:
Langweilig? Jedes Kochbuch ist ein Abenteuer. Ein Genuss. 80 % unserer Genüsse spielen sich im Kopf ab. Nur 20 Prozent in der Realität. – Das Kochen ist also das Unwichtigste..... 20% ist nicht viel – darum lese ich auch sehr gerne Kochbücher.

Trotzdem langweilig – es sind ja immer wieder die gleichen Photos die gleichen Rezepte und die gleichen smarten Fernsehköche unterwegs – mal in weiss und mal in Blue Jeans..warum Sie auch noch?
Tarrach:
Nein, aber wirklich, ich sag's noch mal: ich liebe sie alle. Kochsendungen sind wunderbar, ob jetzt ein junger Engländer seine Finger im Salat wäscht oder ein parfümierter Österreicher. Ist auch schon wurscht, oder??

Wurst?
Tarrach:
Das ist ja nicht das Problem. Das Schöne an den Kochbüchern ist das Abenteuer. Einen Plan verfolgen. Planmäßiges Vorgehen, zielgerichtet aus Wasser und geriebenen Pflanzenteilen in verschiedenen –zugegeben geteilten- Arbeitsschritten etwas herstellen.


copyright, Kerstin Ehmer

Jaja, schon gut, aber das klingt ja jetzt wieder ziemlich nach Biobergkäse aus dem Rapunzelgeschäft. – der Titel richtig fressen ..
Tarrach:
RICHTIG fressen...

Gut dann eben nicht richtig FRESSEN, sondern RICHTIG fressen
Tarrach:
Nein, ich meine damit nur, dass es mehrere Möglichkeiten gibt.

Ja, die gibt es in der Tat und wir haben da ein Beispiel ausgewählt, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen:
Tarrach:
„ Kantine“??

Nein, igitt, dazu kommen wir noch später. Ich habe das jetzt nicht ironisch gemeint. „ Die Hummelkönigin“ Das sind...
Tarrach:
Das sind diese leckeren Blätterteigschichten mit heisser Aprikosenmarmelade und Sahnepudding dazwischen.
(kommt ins schwärmen)
Mahmmm herrlich, Cremeschnitten heißen die ganz einfach.

Diese Cremeschnitten sind ja einfach zu machen...
Tarrach:
Sie kochen auch??

Zu 80% ja... aber Cremeschnitten ist doch etwas, was man gar nirgends findet, in keinem Kochbuch. War das ein Rezept von ihrem CoAutor?
Tarrach:
Klaus Ortner ja – ist auch näher an der ungarischen Grenze, als wir hier.

Wo ist der Mann?
Sollte er nicht auch heute interviewt werden ?
Tarrach:
Das ist schwierig – erstens schläft er meistens den ganzen Tag und zweitens lebt er in Salzburg. Aber ich kann ihn gerne anrufen...

Bitte, weil wir an ihn auch noch eine Frage hätten...

Tarrach: (wählt auf seinem Handy)
Hebt keiner ab.... Doch. Hallo Franzi! Ist der Papa zu Hause?
Ob dein Papa da ist, der Klausi? Hallo?
Der schläft ... ach so - Sollen wir ihn wecken??

Nein, nein, lassen sie ihn nur.
Tarrach:
Franzi?... Ja, lass ihn schlafen... wiedersehen liebe Grüsse.

Warum gerade mit einem Österreicher?
Tarrach:
Das ist eine lange Geschichte. Wir kennen uns seit 20 Jahren. Und haben in kurzer Zeit viel miteinander gegessen. –

So genau wollten wir das gar nicht wissen
Jetzt wieder zu ihrem Buch, pardon Kochbuch...
Drei Kapitel:
Hauptspeisen, Nachtspeisen und Fingerfoodvariationen?
Warum nicht Frühstück, Mittagessen und Abendessen?
Soll das etwa lustig sein??

Tarrach:
Weil wir keine Zyniker sind. Wenn wir um einUhr mittags aufstehen und sagen wir frühstücken, dann ist das allen anderen Menschen gegenüber zynisch, weil die bereits einen halben Tag gearbeitet haben und es kein Frühstück ist, sondern schlicht eine Hauptspeise. Ebenso ist es mit den Nachtspeisen. Es ist eben kein Abendessen, wenn wir um drei Uhr früh Nudeln kochen oder eine Hühnersuppe. Und da es für die vielen Mahlzeiten zwischendurch keinen Namen, gibt haben wir uns aus ästhetischen Gründen für das Wort Fingerfood entschieden. Da diese Speisen meistens mit den Händen gegessen werden...

Das im Zeitalter der Raumfahrt...
Tarrach:
Soll das jetzt lustig sein?

Nein... ehm, aber Humor, ich meine, muss alles immer so todernst sein?
Tarrach:
Es ist nicht todernst aber saugut, wenn man mit den Fingern ist..
Geben Sie's doch zu, wenn Sie so eine kühle Wurstscheibe aus dem Kühlschrank angeln und ein Gürkchen aus dem Glas fischen, anschließend die Finger abschlecken, dann hat das doch mehr als eine kalte Gabel, oder?

So gesehen ja, aber...
Tarrach:
Und das Kapitel Fingerfood beschäftigt sich eben mit allen möglichen Ess- Anlässen. Zum Beispiel: Streiten und Essen oder Telefonieren und Essen oder Reimen und Essen ...

Reimen und Essen?
Tarrach:
Wurst Wurst Wurst Wurst ...(sagt das ganze Wurstgedicht).........Brot Tod Wurscht.!

Das ist jetzt aber wirklich nicht mehr lustig.

Tarrach:
Hab ich auch nicht behauptet

Im Rezept Pasta Post Reanimantion
Tarrach:
Nicht Reanimantion, sondern Reanimation, das heißt Wiederbelebung!

Also in diesem Rezept ist eine spannende Geschichte beschrieben
MEHR DAVON LESEN SIE IM ZWEITEN TEIL DES INTERVIEWS WELCHES IN EINEM MONAT EBENFALLS HIER ZU LESEN SEIN WIRD!