Herr
Tarrach, Sie haben ein Buch geschrieben?
Tarrach:
Ein Kochbuch ja, das ist ein Unterschied. Denn wenn man hört, jemand hat
ein
Buch geschrieben, denkt man immer nur an lesen, also etwas völlig Geistiges.
Ein Kochbuch aber ist etwas Praktisches. Ein Rezept, eine Anleitung, ein Plan.
Aber,
sorry Kochbücher gibt’s doch schon bis zum Abwinken – das
ist doch langweilig?
Tarrach:
Langweilig? Jedes Kochbuch ist ein Abenteuer. Ein Genuss. 80 % unserer Genüsse
spielen sich im Kopf ab. Nur 20 Prozent in der Realität. – Das Kochen
ist also das Unwichtigste..... 20% ist nicht viel – darum lese ich auch
sehr gerne Kochbücher.
Trotzdem langweilig – es sind ja immer wieder die gleichen
Photos die gleichen
Rezepte und die gleichen smarten Fernsehköche unterwegs – mal in weiss
und mal in Blue Jeans..warum Sie auch noch?
Tarrach:
Nein, aber wirklich, ich sag's noch mal: ich liebe sie alle. Kochsendungen sind
wunderbar, ob jetzt ein junger Engländer seine Finger im Salat wäscht
oder ein parfümierter Österreicher. Ist auch schon wurscht, oder??
Wurst?
Tarrach:
Das ist ja nicht das Problem. Das Schöne an den Kochbüchern
ist das Abenteuer. Einen Plan verfolgen. Planmäßiges
Vorgehen, zielgerichtet aus Wasser und geriebenen Pflanzenteilen
in verschiedenen –zugegeben
geteilten- Arbeitsschritten etwas herstellen. |
copyright, Kerstin Ehmer |
Jaja,
schon gut, aber das klingt ja jetzt wieder ziemlich nach Biobergkäse
aus dem Rapunzelgeschäft. – der Titel richtig fressen ..
Tarrach:
RICHTIG fressen...
Gut dann eben nicht richtig FRESSEN, sondern RICHTIG fressen
Tarrach:
Nein, ich meine damit nur, dass es mehrere Möglichkeiten gibt.
Ja, die gibt es in der Tat und wir haben da ein Beispiel ausgewählt,
da läuft
einem das Wasser im Mund zusammen:
Tarrach:
„ Kantine“??
Nein, igitt, dazu kommen wir noch später. Ich habe das jetzt nicht
ironisch gemeint. „ Die Hummelkönigin“ Das sind...
Tarrach:
Das sind diese leckeren Blätterteigschichten mit heisser Aprikosenmarmelade
und Sahnepudding dazwischen.
(kommt ins schwärmen)
Mahmmm herrlich, Cremeschnitten
heißen die ganz einfach.
Diese Cremeschnitten sind ja einfach zu machen...
Tarrach:
Sie kochen auch??
Zu 80% ja... aber Cremeschnitten ist doch etwas, was man gar
nirgends findet, in keinem Kochbuch. War das ein Rezept von ihrem
CoAutor?
Tarrach:
Klaus Ortner ja – ist auch näher an der ungarischen Grenze, als
wir hier.
Wo ist der Mann?
Sollte er nicht auch heute interviewt werden ?
Tarrach:
Das ist schwierig – erstens schläft er meistens den ganzen
Tag und zweitens lebt er in Salzburg. Aber ich kann ihn gerne anrufen...
Bitte, weil wir an ihn auch noch eine Frage hätten...
Tarrach: (wählt auf seinem Handy)
Hebt keiner ab.... Doch. Hallo Franzi! Ist der Papa zu Hause?
Ob dein Papa da ist, der Klausi? Hallo?
Der schläft ... ach so - Sollen wir ihn wecken??
Nein, nein, lassen sie ihn nur.
Tarrach:
Franzi?... Ja, lass ihn schlafen... wiedersehen liebe Grüsse.
Warum gerade mit einem Österreicher?
Tarrach:
Das ist eine lange Geschichte. Wir kennen uns seit 20 Jahren. Und
haben in kurzer Zeit viel miteinander gegessen. –
So genau wollten wir das gar nicht wissen
Jetzt wieder zu ihrem Buch, pardon Kochbuch...
Drei Kapitel:
Hauptspeisen, Nachtspeisen und Fingerfoodvariationen?
Warum nicht Frühstück, Mittagessen und Abendessen?
Soll das etwa lustig sein??
Tarrach:
Weil wir keine Zyniker sind. Wenn wir um einUhr mittags aufstehen
und sagen wir frühstücken, dann ist das allen anderen
Menschen gegenüber zynisch,
weil die bereits einen halben Tag gearbeitet haben und es kein Frühstück
ist, sondern schlicht eine Hauptspeise. Ebenso ist es mit den Nachtspeisen.
Es ist eben kein Abendessen, wenn wir um drei Uhr früh Nudeln kochen
oder eine Hühnersuppe. Und da es für die vielen Mahlzeiten zwischendurch
keinen Namen, gibt haben wir uns aus ästhetischen Gründen für
das Wort Fingerfood entschieden. Da diese Speisen meistens mit den Händen
gegessen werden...
Das im Zeitalter der Raumfahrt...
Tarrach:
Soll das jetzt lustig sein?
Nein... ehm, aber Humor, ich meine, muss alles immer so todernst
sein?
Tarrach:
Es ist nicht todernst aber saugut, wenn man mit den Fingern ist..
Geben Sie's doch zu, wenn Sie so eine kühle Wurstscheibe aus
dem Kühlschrank
angeln und ein Gürkchen aus dem Glas fischen, anschließend die Finger
abschlecken, dann hat das doch mehr als eine kalte Gabel, oder?
So gesehen ja, aber...
Tarrach:
Und das Kapitel Fingerfood beschäftigt sich eben mit allen möglichen
Ess- Anlässen. Zum Beispiel: Streiten und Essen oder Telefonieren und
Essen oder Reimen und Essen ...
Reimen und Essen?
Tarrach:
Wurst Wurst Wurst Wurst ...(sagt das ganze Wurstgedicht).........Brot
Tod Wurscht.!
Das ist jetzt aber wirklich nicht mehr lustig.
Tarrach:
Hab ich auch nicht behauptet
Im Rezept Pasta Post Reanimantion
Tarrach:
Nicht Reanimantion, sondern Reanimation, das heißt Wiederbelebung!
Also in diesem Rezept ist eine spannende Geschichte beschrieben
MEHR DAVON LESEN SIE IM ZWEITEN TEIL DES INTERVIEWS WELCHES IN EINEM
MONAT EBENFALLS HIER ZU LESEN SEIN WIRD! |